Hier mal wieder ein kleines Update zu all den Ungereimheiten rund um Stuttgart 21. Es empfiehlt sich, bei den Online-Artikeln aus den Stuttgarter Medien auch die zahlreichen Leserkommentare nicht zu übersehen. Das Beste zuerst:
Die Stadt Stuttgart hat ein Bohrloch nach Probebohrungen zur Untersuchung der Grundwassersituation klammheimlich stillgelegt. Der Grund war ein unerwarteter Wasseraustritt am sogenannten Ameisenberg im Stuttgarter Osten, was für den geologischen Untergrund des geplanten Tunnelbahnhofes nichts Gutes ahnen lässt. Die Anwohner sind entsprechend besorgt wegen ihrer Wohnhäuser. Köln lässt grüßen! In Stuttgart hofft man, die Sache unter den Teppich kehren zu können, bevor es jemand merkt…
Der Abriss der Seitenflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes für Stuttgart 21 widerspricht dem in der baden-württembergischen Landesverfassung in Artikel 3 verankerten Staatsziel des Denkmalschutzes und ist damit verfassungswidrig – zu diesem Ergebnis kommt der Diplomjurist Reinhard Mast.
Weiterhin streitet man sich derzeit über die Verlegung des Bus-Fernbahnhofes vor dem Hauptbahnhof, da an dieser Stelle gebuddelt werden soll und die Stadt einen Ersatz-Standort benötigt. Die 100.000 Euro aus der Stadtkasse für die geplanten Provisorien markieren nicht das Ende des finanziellen Aufwands…
Auch schön: Die Stuttgarter Nachrichten berichten darüber, dass die Bahn AG den Tunnelbau für die U-Bahn ausbremst. Für Stuttgart 21 müssen nämlich auch die Tunnel für U- und Stadtbahn verlegt und neu gebaut werden. Wann damit begonnen werden soll, weiß im Moment niemand so richtig. „Termine bekommen wir von der Bahn keine“, heißt es immer wieder. Und: Die Kosten für die neuen U-Bahn-Tunnel sind natürlich inzwischen deutlich gestiegen. Ursprünglich ging es um 71 Millionen Euro, jetzt sind es schon 106 Millionen…
Aus all dem schließt der Stuttgarter BUND in einer Pressemitteilung, dass die genannten 3,1 Milliarden Gesamtkosten niemals zu halten sein werden.
Juli 21, 2009 at 2:23
Kommentar von Prof. Dipl.-Ing. Karl-Dieter Bodack,
in Stuttgarter Zeitung online – Bürgerentscheid vom Tisch
18.07.2009
S21 wird scheitern, fragt sich nur, wann und mit welchem Schaden für die Stadt. Wenn die Bürger erst einmal die realen Nachteile und Finanzierungslücken erfahren, werden sie das Projekt verhindern. Die Deutsche Bahn hat noch nie ein vergleichbar großes Projekt ohne drastische Kostensteigerungen abgeschlosen: Die fehlende Finanzierung der Mehrkosten, die über die Finanzierungsvereinbarung hinausgehen, wird die Bauzeit auf zwei Jahrzehnte ausdehnen, in denen die Stadt, die Bürger und Geschäftleute mit einer furchtbaren Wunde in ihrer Mitte leben müssen. Das Schlimmste: Der neue Bahnhof wird schlechter sein als der jetzige, da er wegen nicht kreuzungsfreier Zufahrten und verringerter Bahnsteigkapazität Bahnbetrieb, Zuganschlüsse und Umsteigen erheblich erschweren wird. Dazu kommen im Vergleich zum jetzigen Bahnhof horrend höheren Betriebskosten des neuen Bahnhofs, die voll und ganz vom Land aus der pauschalen Zuweisung des Bundes für die Bestellung von Nahverkehrsleitungen bestritten werden müssen. Daraus resultiert — wenn das Land hier nicht eigene Gelder zuschießt — eine nennenswerte Reduzierung der Nahverkehrs-Zugkilometer (zu Lasten des ganzen Landes, aber auch passend zur mangelhaften Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs).