Vor dem Hintergrund der aktuellen PR-Affäre bei der Deutschen Bahn sollte man auch die ganze Propaganda um Stuttgart 21 einmal unter die Lupe nehmen. Hier werden wie beim Projekt Bahn-Privatisierung ebenso mit immensem finanziellen Aufwand viele Falschinformationen und Lügen verbreitet
Eine Artikel-Serie im Fachmagazin Bahn-Report beschäftigt sich ausführlich mit den merkwürdigen Geschehnissen rund um Stuttgart 21. Das beste: Um überhaupt Baufreiheit für den Tunnelbahnhof zu bekommen, muss das Gleisvorfeld hundert Meter weiter nördlich mehr oder weniger komplett mit neuen Zufahrten, Weichen und einem neuen elektronischen Stellwerk neu aufgebaut werden. Hier wird nun im Grunde das Konzept Kopfbahnhof 21 der Kritiker umgesetzt – allerdings nur als Provisorium auf zehn Jahre…
Wir erinnern uns: Das Kopfbahnhof 21-Konzept wurde stets schlecht gerechnet, es hieß sogar, der modernisierte Kopfbahnhof sei so teuer wie Stuttgart 21! Und nun soll dieser Kopfbahnhof 21 quasi als Provisorium entstehen – noch bevor überhaupt ein Quadratmeter Erde für den riesigen Tunnelbahnhof ausgehoben ist…Die Beiträge im Bahn-Report stehen als pdf auf den Seiten von Kopfbahnhof 21 zum Download bereit:
Stuttgart 21: Mit Hochgeschwindigkeit an die Wand?, Teil 1-3
Ein Beispiel für dubiose Propaganda-Aktionen im Zusammenhang mit Stuttgart 21 findet sich als Kommentar zu diesem Beitrag.
Anlässlich der Ergebnisse der Kommunalwahlen in Baden-Württemberg hat der Umwelt- und Verbraucherverband Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) eine aktuelle Pressemitteilung herausgegeben, in der ein Ende von Stuttgart 21 gefordert wird. Mit einem Festhalten am Milliardengrab Stuttgart 21 ignoriere die Politik den Bürgerwillen. Der geplante Tunnelbahnhof in Stuttgart sei ein Fass ohne Boden und gehe schon heute zu Lasten des gesamten Regionalverkehrs im Land.

Juni 3, 2009 at 2:05
Seltsame PR-Aktivitäten bei Stuttgart 21…
Ein Beispiel: Der Autor dieses Blogs hat Ende 2008 zu einem wie gewohnt unkritischen Artikel in der Stuttgarter Zeitung zu Stuttgart 21 online – wie unzählige andere Leser auch – einen Kommentar hinterlassen. Wenige Tage später kam per Post ein zweiseitiges ausführliches Schreiben, datiert vom 5.11.08 und unterschrieben vom Leiter der StZ-Lokalredaktion (!!) Achim Wörner. In diesem Schreiben verteidigt sich Wörner gegen den Vorwurf einer manipulierten Berichterstattung und wirbt um Verständnis für die angeblich kritische Position seiner Zeitung, betont jedoch gleichzeitig die Bedeutung des Projektes für die Region: „…unser Urteil war im Kern positiv, weil wir an die Chancen glauben, die dieses Projekt für Stadt, Region und Lnad birgt.“
Für den Empfänger dieses Schreibens stellen sich mehrere Fragen: Beantwortet Herr Wörner sämtliche kritischen Leserkommentare zu Stuttgart 21 tatsächlich höchstpersönlich? Falls ja, hätte er angesichts der Fülle der Kritik sicher kaum mehr Zeit, seine Aufgabe als Leiter der Lokalredaktion tzu erfüllen.
Wenn Herr Wörner dies nicht persönlich tat, wer macht diese Arbeit dann? Und vor allem: Wer bezahlt dafür, dass die Stuttgarter Zeitung Werbebriefe an Stuttgart 21-Kritiker schreibt und verschickt?
Das wäre in der Tat interessant zu erfahren…