Kreiselkunst Erlenbach

Kreiselkunst Erlenbach

And now for something completely different: In meinem geliebten Heimatdorf wurde jüngst ein neuer Kreisverkehr angelegt, und damit das Innere dieses Kreisverkehrs nicht so trostlos wirkt und um sich von Nachbarorten abzugrenzen, die in Kreisverkehre ganz profan Weinreben pflanzen, hat sich der Führer der Gemeinde überlegt, mit ein bisschen Kunst das leere Innere des modernen Kreisels zu beleben. Auf einen entsprechenden Ideenwettbewerb hat sich angeblich nur ein ortsansässiger Architekt gemeldet, dessen glorreiche Ideen flux umgesetzt und in Metall gegossen wurden. 60.000 Euro hat das laut Heilbronner Stimme gekostet. Nun kann jeder Autofahrer am Ortsrand anschaulich sehen, was diesen besonderen Ort so lebenswert macht.

Vor dem Hintergrund der aktuellen PR-Affäre bei der Deutschen Bahn sollte man auch die ganze Propaganda um Stuttgart 21 einmal unter die Lupe nehmen. Hier werden wie beim Projekt Bahn-Privatisierung ebenso mit immensem finanziellen Aufwand viele Falschinformationen und Lügen verbreitet

Eine Artikel-Serie im Fachmagazin Bahn-Report beschäftigt sich ausführlich mit den merkwürdigen Geschehnissen rund um Stuttgart 21. Das beste: Um überhaupt Baufreiheit für den Tunnelbahnhof zu bekommen, muss das Gleisvorfeld hundert Meter weiter nördlich mehr oder weniger komplett mit neuen Zufahrten, Weichen und einem neuen elektronischen Stellwerk neu aufgebaut werden. Hier wird nun im Grunde das Konzept Kopfbahnhof 21 der Kritiker umgesetzt – allerdings nur als Provisorium auf zehn Jahre…

Stuttgart: Kopfbahnhof-21

Stuttgart: Kopfbahnhof-21

Wir erinnern uns: Das Kopfbahnhof 21-Konzept wurde stets schlecht gerechnet, es hieß sogar, der modernisierte Kopfbahnhof sei so teuer wie Stuttgart 21! Und nun soll dieser Kopfbahnhof 21 quasi als Provisorium entstehen – noch bevor überhaupt ein Quadratmeter Erde für den riesigen Tunnelbahnhof ausgehoben ist…

Die Beiträge im Bahn-Report stehen als pdf auf den Seiten von Kopfbahnhof 21 zum Download bereit:
Stuttgart 21: Mit Hochgeschwindigkeit an die Wand?, Teil 1-3

Ein Beispiel für dubiose Propaganda-Aktionen im Zusammenhang mit Stuttgart 21 findet sich als Kommentar zu diesem Beitrag.

Anlässlich der Ergebnisse der Kommunalwahlen in Baden-Württemberg hat der Umwelt- und Verbraucherverband Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) eine aktuelle Pressemitteilung herausgegeben, in der ein Ende von Stuttgart 21 gefordert wird. Mit einem Festhalten am Milliardengrab Stuttgart 21 ignoriere die Politik den Bürgerwillen. Der geplante Tunnelbahnhof in Stuttgart sei ein Fass ohne Boden und gehe schon heute zu Lasten des gesamten Regionalverkehrs im Land.

Bahn-Skandale und kein Ende: Nachdem LobbyControl über die PR-Machenschaften der Deutschen Bahn berichtete, greifen zahlreiche Medien die neuste PR-Affäre auf. Die schmutzigen Tricks der Bahn schreibt etwa die taz. Ein Berliner “Thinktank” verbreitete mit angeblich unabhängigen Umfragen und Texten Bahn-Propaganda in Zeitungen und Online-Foren. Es wurden unter anderem Leserbriefe fingiert, um gute Stimmung für die Bahnprivatisierung zu machen.

Weitere Köpfe rollen, so wurde auch der Generalbevollmächtigten für Marketing und Kommunikation Ralf Klein-Bölting entlassen. Die taz schreibt: Am Donnerstag hatte die Bahn AG zugegeben, 1,3 Millionen Euro für nicht als solche deklarierte Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben zu haben. (…) Zudem bezahlte der Konzern private Lobbyunternehmen, die etwa fragwürdige Meinungsumfragen veröffentlichten, nach denen eine Mehrheit der Bevölkerung den Lokführerstreik von 2007 ablehnte.

Die Welt spricht von einer geheimen Medienmaschine und berichtet ausführlich, wie ihre eigenen Online-Foren und Blogs heimlich unterwandert wurden.

Beobachter in Baden-Württemberg erinnert ein solches Vorgehen doch schwer an die Propaganda-Aktionen im Zusammenhang mit Stuttgart 21. Auch hier werden mit allen Mitteln und auf vielen Ebenen Falschinformationen und Lügen verbreitet. Gigantische Summen stehen für die PR-Arbeit zum Projekt zur Verfügung. Fragwürdige Gutachten berechnen immer wieder gigantisch positive Effekte des Milliardengrabes. Allein: Das dumme Volk weigert sich vehement, all die Märchen zu glauben…

Hier gibt es die ausführliche Studie von LobbyControl als pdf zum Download.

Der Tagesspiegel und die Frankfurter Rundschau berichten: Die Konkurrenten der Deutschen Bahn sehen sich im Wettbewerb mit dem Staatskonzern massiv benachteiligt. „Das Ergebnis von 15 Jahren Wettbewerb auf der Schiene ist enttäuschend“, sagte Wolfgang Meyer, Präsident des Anbieter-Verbandes Mofair, am Montag in Berlin. Er verlangte eine stärkere Öffnung des Marktes und eine intensivere Regulierung. Allein im Regionalverkehr gingen durch Ineffizienzen pro Jahr eine Milliarde Euro verloren, wie aus einem Gutachten zum Wettbewerb auf der Schiene hervorgeht, das Mofair und zwei weitere Verbände in Auftrag gegeben haben. „Wir verschenken riesige Potenziale“, sagte der Autor der Analyse, Michael Holzhey von der Beratungsfirma KCW.
Nebenbei bemerkt: Der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg spart durch die Neuvergabe von Streckenlizenzen ab 2011 50 Millionen Euro pro Jahr. Die Einsparungen sollen für mehr Service und zusätzliche Züge eingesetzt werden. Weiterlesen…

Der neue Bahnchef Grube macht einen klaren Schnitt und bricht endgültig mit der Ära Mehdorn. “Ein Schreckensregime, wie man mit Fug und Recht feststellen kann.” schreibt Thomas Wüpper in der Frankfurter Rundschau.
Gleich vier Vorstände verlassen das Unternehmen noch in diesem Monat – Margret Suckale, Norbert Bensel, Norbert Hansen und Otto Wiesheu, so berichten die Nachrichten-Agenturen. Die DB trennt sich außerdem vom Leiter der Konzernrevision Josef Bähr, dem Sicherheitschef Jens Puls sowie dem Antikorruptionsbeauftragten Wolfgang Schaupensteiner. Das teilte der Konzern am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung in Berlin mit. Die Frankfurter Rundschau schreibt: “Wegen des Schnüffelskandals müssen mehr als 30 Manager mit Konsequenzen rechnen.”
Damit scheint es erst mal getan, nach der Verantwortung des Aufsichtsrates und dessen Vorsitzendem Werner Müller bei der ganzen Affäre fragt niemand mehr, obwohl die beiden Sonderermittler auch dem Aufsichtsrat Versagen vorwerfen. Müller hatte sich rechtzeitig auf die Seite der Empörten geschlagen, spricht aber laut SPIEGEL im Zusammenhang mit der Datenaffäre von “unerfreulichen Vorkommnissen”.
Selbstverständlich bekommen die Geschassten, denen man angeblich kein Fehlverhalten nachweisen kann, Abfindungen in Millionenhöhe, sie haben sich ja um unser aller Bahn verdient gemacht!

Und es wird immer doller: Angeblich hat auch die Gewerkschaft Transnet die Bespitzelungsaktionen des DB-Konzerns genutzt, um ein wenig mehr über ihre eigenen Mitglieder zu erfahren! Die taz schreibt zu recht: Transnet hat seine Mitglieder verraten!

Unter dem Titel Allumfassende Überwachung schreibt Matthias Thieme in der Frankfurter Rundschau: Vieles, was im Daten-Skandal der Bahn bislang bekannt war, ist harmlos im Vergleich zu den Vorwürfen, die jetzt ans Tageslicht kommen: Die Deutsche Bahn soll auch mit hochkriminellen Methoden gegen ihre Angestellten vorgegangen sein. Soll Dokumente gefälscht haben und sogar falsche “Beweise” wie Hitlers “Mein Kampf” oder Porno-Dateien auf Festplatten von Angestellten gespeichert haben, um diese besser kündigen zu können. Das berichtet der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in der Zeit und steht damit nicht allein: Auch das Magazin Spiegel spricht von einem gewaltigen Überwachungssystem.

Thieme kommt zu dem Schluss:
Wenn sich die zahlreichen Indizien bewahrheiten, geht es bei der Bahn nicht mehr um eine Daten-Affäre, sondern um einen Abgrund an systematischer Konzern-Kriminalität. (…)
Das System Mehdorn wird nun in seiner ganzen Brutalität sichtbar: Oberstes Ziel war die Privatisierung der Bahn. Wer daran Kritik übte oder vom Management auch nur verdächtigt wurde, dieses Ziel nicht uneingeschränkt zu unterstützen, der geriet in die Mühlen einer konzerninternen Überwachungsmaschinerie, der offenbar auch höchst illegale Mittel recht waren.

Der ausführliche Artikel von Günter Wallraff in der Zeit.

Ein Interview mit Wallraff in der Frankfurter Rundschau: “Mehdorn war der Dikatator”

Sursee Bhf, Radparkplatz

Sursee Bhf, Radparkplatz

Hier mal wieder ein eindrucksvolles Foto: Doppelstöckiger Radparkplatz am Bahnhof von Sursee, Schweiz, eine ganz normale Kleinstadt, 8.573 Einwohner, keine Universität.

us-intercity-passenger-rail-network

us-intercity-passenger-rail-network

Mit Barack Obama soll die Eisenbahn in den USA wieder eine Zukunft haben. Der US-Präsident hat angekündigt, Milliarden in den Ausbau des amerikanischen Schienennetzes zu investieren und Pläne für ein System von Hochgeschwindigkeitszügen vorgestellt. Obama hält den Ausbau des amerikanischen Schienennetzes für längst überfällig. Bis 2012 sollen acht Milliarden Dollar für bis zu zehn Schienennetze in den Ballungsgebieten investiert werden. Eine Verbindung quer durch die USA ist zunächst nicht geplant. Auf den Bahnstrecken mit bis zu knapp 1000 Kilometern Länge sollen Züge mit bis zu 240 Kilometern pro Stunde fahren können. Bislang verkehren lediglich zwischen Washington, New York und Boston Hochgeschwindigkeitszüge von Amtrak auf Basis des TGV unter der Marke Acela. Die Züge können Tempo 240 erreichen, sind jedoch nur eine halbe Stunde schneller als Regionalzüge. Die Fahrzeit für die rund 360 Kilometer von Washington nach New York sank unter drei Stunden.

Hier gibt es ein offizielles Dokument über die Regierungspläne zum künftigen Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn in den USA: US highspeed rail strategic plan (pdf ca. 2 MB).

Obama calls for high-speed rail development mit Film von Obamas Ansprache bei msnbc.

Obamas Pläne haben in den USA gleich zu heftigen Debatten über die Sinnhaftigkeit von Eisenbahnen geführt, wie man auf vielen Nachrichtenseiten und Blogs sehen kann. Tenor: Wozu brauchen wir Züge, wenn Fliegen und Autofahren viel billiger ist und schneller geht?

Mit dem Thema beschäftigen sich auch verschiedene US-Blogs:
California High Speed Rail Blog
Switching Modes

Hier gibt es eine SCRITTI-Reisereportage über eine Zugfahrt von San Francisco nach Chicago.

Ufo in Binz

Ufo in Binz


…und zwar schon vor vielen Jahren in Binz an der deutschen Ostseeküste! Weitere Ufos stehen zum Beispiel in Berlin an der Spree. Ehrlich gesagt: Dass Ding auf Rügen wurde 1968 gebaut von Ulrich Müther.

“Die Chance war da: Die Bundesregierung, allen voran Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), hätte die Gelegenheit des Rücktritts von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn dazu nutzen können, einige drängende Fragen des Großunternehmens zu klären. Fragen, auf deren Klärung sich die politischen Lager, die Bahn und die Gewerkschaften bisher nicht geeinigt haben. Zum Beispiel eine Strategie: Was genau soll die Bahn der Zukunft sein?” So schreibt Der Spiegel über die Aufgaben des voraussichtlich neuen Bahnchefs, jetzigen Daimler-Managers und Mehdorn-Kumpels Rüdiger Grube.

Wieder einmal fällt der deutschen Politik nichts besseres ein, als in der Autoindustrie nach der Lösung zukünftiger Mobilitätsfragen zu suchen!

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