Hier einmal zwei Fotos aus London: London Victoria Station und London Liverpool Station um die Mittagszeit.

London Victoria Station by SCRITTI

London Victoria Station by SCRITTI


London Liverpool Street by SCRITTI

London Liverpool Street by SCRITTI

Die Züge fahren in der Regel halbstündlich in alle Richtungen, in der rush-hour wird der Takt weiter verdichtet. Dies sind nur zwei von insgesamt 14 Kopfbahnhöfen in London. Wenn man das Treiben in der Metropole verfolgt, fragt man sich erst recht, wie irgendjemand mit ein bisschen Verstand überhaupt auf die Idee kommen kann, in einer Großstadt wie Stuttgart einen funktionierenden Kopfbahnhof mit 16 Gleisen und zahllosen Ausbau-Optionen für die Zukunft in einen unterirdischen Flaschenhals mit nur vier Gleisen pro Richtung verwandeln zu wollen. Eine solche Ideen würde in die USA der 50er Jahre passen, als das Siechtum der Eisenbahn begann und die Auto- und Öllobby alles daran setzte, ein gut funktionierendes Transportsystem zu zerstören. Aber mitten im Europa des 21. Jahrhunderts?

Swansea, 15. Juni 2011: Noch vollkommen berauscht vom Auftritt von Take That mit Superstar Robbie Williams im Millennium Stadium Cardiff vor über 64.000 Fans kommen wir nach einer einstündigen Fahrt im Zug voll mit glückseligen TT-Fans gegen Mitternacht wieder im Dragon Hotel in Swansea an. Im TV läuft auf Channel 4 „Live from Abbey Road“, und es spielt eine fantastische Band: Noah And The Whale. Und außerdem noch Raphael Saadiq. Solche Sendungen laufen leider nirgends im deutschen TV. Es lohnt sich mal wieder, mit offenen Augen durch die Welt zu ziehen. Selbst im Hotel-TV gibt es noch wunderbare Entdeckungen!

Album-Cover

Album-Cover

Die Durham-Family hat sich zurückgemeldet: Die drei Geschwister aus dem Londoner Stadtteil Kentish Town „Kitty, Daisy & Lewis“ haben nach ihrem Debut 2008 mit SMOKING IN HEAVEN ein fantastisches neues Album veröffentlicht. Unvergesssen ist nachwievor die Coverversion des Canned Heat-Klassikers „Goin Up The County“ im Rockabilly-Style auf dem ersten eigenen Album. Jetzt legen die Multitalente, die alle Instrumente selbst spielen und zuhause im eigenen Tonstudio aufnehmen, mit Eigenkompositionen so richtig los. Alles absolut groovig und tanzbar! Bitte mehr davon!!
Die Frankfurter Rundschau schreibt: Für „Smoking In Heaven“ nun hat man alle Songs selbst geschrieben, was aber tatsächlich kaum einen hörbaren Unterschied verursacht. Ob im sanft schunkelnden Ska „Tomorrow“, im nervösen Rockabilly „I’m Going Back“ oder im trägen Blues „Baby Don’t You Know“: Vor allem kommt es doch darauf an, dass die verfügbaren Stile in all ihrer melancholischen Patina nachgestellt werden. Die Garantie dafür ist das Heimstudio, in dem wieder aufgenommen wurde mit, wie das heute so heißt, Vintage-Equipment. Man könnte auch sagen: Mit Zeug vom Flohmarkt. Die Mikrofone sehen tatsächlich aus wie Mikrofone, die Verstärker brummen wohlig und auch die Aufnahmegeräte arbeiten noch analog. Keine Computer, das ist das Dogma, stattdessen die knisternde Wärme von Röhren und Kondensatoren.

Ganz toll ist auch der Clip zu I’m So Sorry, der komplett rückwärts aufgenommen wurde! Man beachte die fliegenden Gläser und Teller gegen Ende des Videos. Und das neue Video zu Messing With My Life

Und hier noch ein Auszug aus einer Kritik auf Bobby Six: The record opens excitingly with the brilliant ska of Tomorrow, featuring the effervescent Eddie ‘Tan Tan’ Thornton on trumpet, and sets the upbeat tone of the album perfectly. Meanwhile, Messing With My Life is perhaps the closest that the trio will ever come to a regular pop tune and shows that they are capable of giving a contemporary edge to their sound, while Going Back is swinging rockabilly at its most fun.
All of which results in a triumphant return for a band whose oldest member, remarkably, is still only twenty. If the auto-tuned, plastic rubbish that currently litters commercial radio station playlists had one-hundredth of the energy, honesty, heart and soul that this record does, the music world would be a much more satisfying place.

STERN-Autor Arno Luik berichtet in einem Vortrag über Die 121 Risiken von Stuttgart 21 und seine Erfahrungen bei der Recherche zu dem Dinosaurier-Projekt. Sehr interessant und kurzweilig anzuhören! Die Online-Kurzfassung des entsprechenden Artikels im Magazin STERN.

Arno Luik (STERN) zu Risiken von S21 from fluegel.tv on Vimeo.

Spannend wie ein Krimi: Ein gut recherchierter Film erläutert sehr anschaulich, wer eigentlich bei Stuttgart 21 die Zeche bezahlt, wer profitiert und wie im verfilzten Baden-Württemberg geradezu italienische Verhältnisse herrschen. Jetzt wundert es nicht mehr, warum auf vielen Bahnstrecken im Ländle nur Schrottzüge fahren und die bisherige Landesregierung aus CDU und FDP Regionalverkehre partout nicht ausschreiben wollte…

Der Bundesgerichtshof hat am 8. Februar 2011 in einem in der Branche viel beachteten Urteil festgestellt, dass Aufträge im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ausgeschrieben werden müssen und Direktvergaben nur noch in einem sehr eng begrenzten Rahmen möglich sind, in erster Linie, um den Übergang zu Wettbewerbsverfahren zu erleichtern. Die Presse begrüßt weitgehend die rechtliche Klarstellung. Auch die Heilbronner Stimme hat das Thema aufgegriffen und fragt, ob die geplante Direktvergabe für die Frankenbahn weiter möglich ist.
Erhellender bzw. erschreckender Weise stellt sich das Verkehrsministerium Baden-Württemberg erneut auf den bekannten Standpunkt, dass solche Urteile eines höchsten deutschen Gerichts keinen Einfluss auf die Pläne zur einseitigen Begünstigung der Deutschen Bahn (DB) mit langfristigen Verkehrsaufträgen in Millionenhöhe haben. Noch besser: Der Sprecher von Verkehrsministerin Tanja Gönner erdreistet sich nicht, in der Heilbronner Stimme zu behaupten: „Höhere Preise entstünden durch diese Vergabeform nicht.“ Das wäre also genauso, wenn eine Kommune sämtliche Bauaufträge immer direkt an das einzige Unternehmen im Ort vergeben würde mit der Begründung, dieses Unternehmen sei grundsätzlich das günstigere…
Passenderweise berichtet die Stuttgarter Zeitung am 12. Februar 2011 über Korruption in Behörden Baden-Württembergs, die eine aktuelle Studie an den Tag bringt. Unter anderem heißt es darin: Das Ergebnis ist ernüchternd. In Baden-Württemberg liegt die Kriminalitätsbelastung von Behörden sogar über dem Bundesdurchschnitt. Der dadurch entstandene finanzielle Schaden ist mit 430.000 Euro je betroffener Verwaltung in zwei Jahren mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Dazu kommt, dass die Behörden im Südwesten das Problem kaum als solches anerkennen und entsprechend wenig für Prävention und Kontrolle tun.
Sehr erhellend ist auch ein weiterer Beitrag in der Stuttgarter Zeitung, der beschreibt, dass die Verträge mit der DB in Baden-Württemberg so miserabel sind, dass die DB am Ende immer der lachende Gewinner ist. Hat natürlich alles mit Stuttgart 21 ÜBERHAUPT NICHTS ZU TUN!

China 3d-Express-Bus-System

China 3d-Express-Bus-System

Das Unternehmen HS Future will bei der Lösung der chinesischen Verkehrsprobleme ganz neue Wege gehen. Wo der Platz für Autos und öffentliche Verkehrsmittel zu knapp ist, sollen künftig auf Schienen fahrende Bus-Brücken („3D Express-Bus“) für Abhilfe sorgen. Ähnlich wie bei einer Auto-Fähre sitzen die Fahrgäste im Obergeschoss, während unter ihnen die Autos ganz normal auf der Straße fahren. Ende August ist das Pilotprojekt von einem großen Lokomotivunternehmen übernommen worden, das sofort mit der Produktion beginnen will. Es wird erwartet, dass man in Beijing zu Ende nächsten Jahres im Bezirk Mentougou in den Brückenbus einsteigen kann.

Leserbrief an Heilbronner Stimme und Mannheimer Morgen:

Die Aussagen im Artikel von Peter Reinhardt in der Heilbronner Stimme vom 16.6.10 „Protest geht in Gewalt über“ / Mannheimer Morgen können so nicht stehen bleiben. Es ist bedauerlich, dass eine ansonsten seriöse Tageszeitung auf die von BILD initiierte Hetzkampagne einsteigt und versucht, mit Andeutungen und Halbwahrheiten Stimmung gegen friedliebende BürgerInnen zu machen, die sich auf demokratische Weise gegen den Größenwahn einiger weniger Politiker und Konzernbosse zur Wehr setzen. Oder wird Herr Reinhardt inzwischen auch schon vom Büro Drexler für seine einseitigen Berichte pro Stuttgart 21 bezahlt?

Seit über 30 Wochen demonstrieren Tausende BürgerInnen jeden Montag gegen den Milliarden-Irrsinn Stuttgart 21, und sie werden dies auch weiterhin friedlich und gewaltfrei tun.

Es wäre schön, wenn Ihre Zeitung statt großflächig Hetze zu betreiben in ebenso großem Umfang ihre LeserInnen über all die ungeklärten Fragen beim Milliardengrab Stuttgart 21 und die Lügen-Kampagnen der Profiteure aufklären würde:

– Das Projekt ist mit 4,1 Milliarden Euro alleine für den Tunnelbahnhof schön gerechnet, das kann jeder sehen, der sich mit den Fakten auseinandersetzt
– Bund und Land werden in absehbarer Zeit nicht die nötigen finanziellen Mittel aufbringen können, um den Tunnelbahnhof und zusätzlich die Neubaustrecke nach Ulm zeitnah fertigzustellen
– Wegen Stuttgart 21 fehlt bundesweit das Geld für den Ausbau sinnvollerer Bahnprojekte, auch und gerade im Raum Heilbronn oder für die viel dringendere Neubaustrecke Frankfurt/Main-Mannheim
– Der Tunnelbahnhof mit nur acht Gleisen wird zu einem Engpass im deutschen Schienennetz
– Die Anschlussverbindungen von Heilbronn aus werden sich mit Stuttgart 21 verschlechtern
– Die Neubaustrecke nach Ulm ist in der jetzigen Planung sinnlos und unwirtschaftlich, deren Finanzierung ist nicht gesichert
– Die Neubaustrecke hat größere Steigungen als heute die Geislinger Steige und ist für den Güterverkehr ungeeignet
– Für wichtige Abschnitte des Projektes gibt es bis heute keine Baugenehmigung
– Ohne Neubaustrecke ist der Kellerbahnhof sinnlos, die Züge müssten rückwärts wieder hinaus fahren
– Es gibt bis heute keine Vereinbarung mit den Stuttgarter Straßenbahnen über den notwendigen Umbau der U-Bahntunnel am Hauptbahnhof
– Der geologische Untergrund mit Gipskeuper rund um Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb birgt unabsehbare Risiken. Schon heute gibt es deshalb teure Probleme mit dem neuen Autobahn-Tunnel bei Leonberg
– Die dünneren Tunnelwände, um die Kosten schönzurechnen, sind reine Fiktion und nicht genehmigt
– Für die Fahrt mit ICE-Zügen durch den Flughafen-S-Bahntunnel gibt es bis heute keine Genehmigung
– Schon heute ist die Bahn mit den Bauarbeiten in Verzug, das Projekt wird sich Jahrzehnte hinziehen
– Mit dem Geld könnte in ganz Deutschland der Öffentliche Verkehr verbessert werden, und es würden zehntausende neue Dauer-Arbeitsplätze entstehen, ganze Regionen wie Heilbronn-Franken würden von einem Ausbau des Nahverkehrs wirtschaftlich profitieren

Aus all diesen und vielen weiteren Gründen lehnt eine überwältigende Mehrheit der BürgerInnen in Baden-Württemberg und vielen Teilen Deutschlands das Milliardengrab Stuttgart 21 ab und fordert das sofortige Aus.

Michael Schwager

Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD)
Landesvorstand Baden-Württemberg

Die Stuttgarter Zeitung berichtet mit der Schlagzeile S 60 verspätet sich noch mehr, dass es erneut Verzögerungen und Kostensteigerungen beim Bau der S 60 am Rande von Stuttgart gibt. Allein dieses relativ kleine und unspektakuläre Projekt – auf der bisher nur vom Güterverkehr benutzten Strecke zwischen Renningen und Böblingen sollen künftig auch S-Bahnen fahren – ist ein Paradebeispiel für Inkompetenz, Fehlplanung und die gezielte Abzocke der Öffentlichen Hand. 150 Millionen Euro (Tendenz steigend) für ein paar Kilometer S-Bahn auf einer bereits existierenden Schienenstrecke – Stuttgart 21 lässt grüßen! Man darf auch gerne den Bogen in die Region Heilbronn schlagen und sich fragen: Warum sollen die Kommunen im Neckartal beim Projekt Stadtbahn Nord eigentlich für die Sanierung maroder Bahnbrücken zahlen, die die verantwortliche DB Netz offenbar in den letzten Jahrzehnten verrotten ließ?

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